Der Wein als Lebenselixir

Montag, 21. Oktober 2019

Der Wein als Lebenselixir

Die Gebiete, die Böden, die Rebsorten: eine Rundfahrt durch das Burgenland

Es gibt zwar keine offiziellen Statistiken, auf die man sich berufen kann, aber im Burgenland wird um die Hälfte weniger Bier getrunken als im übrigen Österreich – und das hat einen simplen Grund: Praktisch im gesamten Burgenland wächst Wein, guter Wein. Auf rund 13.100 Hektar entstehen etwa 28 Prozent des heimischen Weins im Burgenland. Und wer glaubt, das Land sei rot, hat sich getäuscht. Rotwein überwiegt zwar leicht – aber knapp die Hälfte der dortigen Weinstöcke tragen weiße Sorten.

Grüner Veltliner und Welschriesling sind mit je zehn Prozent Verbreitung die beliebtesten Weißweinsorten. Aber sie sind damit klar hinter den roten Topstars: dem Blaufränkisch und dem Zweigelt, die zusammen 40 Prozent der Rebfläche ausmachen und dem Burgenland dadurch auch ihren Stempel aufdrücken. Die derzeit bestehenden vier Weinbaugebiete haben allesamt DAC-Status, sind also Gebiete mit herausgestrichenen herkunftstypischen Weinen. Der Blaufränkisch spielt dabei in drei Weinregionen die Hauptrolle (siehe Karte).
Im Gebiet Neusiedlersee tut sich der Zweigelt DAC-mäßig hervor. Der Leithaberg ist auch von den weißen Burgundersorten und dem Veltliner geprägt. Für die mehr als 30 anderen Rebsorten, die für die Qualitätsweinproduktion zugelassen sind, aber nicht als DAC-Weine vermarktet werden dürfen, gilt als Herkunft das Burgenland.

Das Burgenland lässt sich weinmäßig nicht über einen Kamm scheren. Das Klima ist zwar generell kontinental-heiß, zu unterschiedlich sind aber die Böden und Mikroklimata. Die beiden DAC-Gebiete Neusiedlersee und Leithaberg im Norden sind stark vom See geprägt, der wie ein Temperaturregler für eine lange Vegetationsperiode und für eine hohe Luftfeuchtigkeit sorgt. Sogar im Mittelburgenland ist sein Einfluss noch spürbar. Von den Böden her, auf denen die Reben stehen, ist man in den Rotweinhochburgen Neckenmarkt, Horitschon und Deutschkreutz aber fast wie in einer anderen Welt: Nicht wie im Norden sind leichte, sandige und kalkreiche Böden bestimmend, sondern schwere und tiefgründige Lehmböden, die Wasser gut speichern können und perfekte Voraussetzungen für mächtige Blaufränker bieten. Am Eisenberg im Südburgenland wiederum herrschen schiefer- und eisenhältige Lehmböden vor, was vielen Weinen eine würzige Mineralität verleiht. Klimatisch ist der Eisenberg vom Norden und Westen abgeschottet und wird mehr von der adriatischen Südströmung beeinflusst.

Zwei neue DAC-Gebiete. Die Winzer der Freistadt Rust haben schon immer einen sehr eigenständigen Weg beschritten und sich 1681 sogar das Stadtrecht mit ihrem Süßwein ‚Ruster Ausbruch‘ erkauft. Und genau für diese typische Ruster Spezialität gibt es die Absicht, kommendes Jahr ein eigenes DAC-Gebiet zu schaffen, das etwas mehr als 400 Hektar groß sein wird. Das betrifft auch die Großlage
Rosalia, die im Süden an das Leithagebirge anschließt und sich bis zum Ödenburger Gebirge erstreckt: Geplant ist für die knapp 300 Hektar Großlage Rosalia ein DAC für Rosé und Rotwein.

Text: Hans Pleininger