Wein im Wandel

Freitag, 25. Oktober 2019

Wein im Wandel

Interview

In der österreichischen Weinwirtscha ist vieles im Umbruch. Noch mehr DAC-Weine und DAC-Gebiete, dazu Ortswein-Diskussionen und Lagenklassifikationen – viele neue Begriffe und Regeln. Wie sieht der Weintrinker da noch durch?
Willi Klinger: Wenn ein Tiroler Bauer und ein Arbeiter in Tübingen sich über ein Auto unterhalten, ist das oft eine hochtechnische Sache. Um ein Auto zu konfigurieren sind hunderte Kriterien nicht kompliziert – da werden wir ja Wein in 20 Kriterien einteilen können, um außer Rot und Weiß, die Herkunft, Qualitätsstufen, Rebsorte und Marke auseinanderhalten zu können.

Seit Sie Chef des ÖWM sind (seit 2007, Anm.), haben viele Weingebiete auf gebietstypische DAC-Weine umgestellt. Sie stehen somit fest hinter dem DAC-Herkunsgedanken?
Ich habe DAC nicht erfunden. Ich habe einen DAC-Baukasten übernommen, der damals mit dem Weinviertel und dem Mittelburgenland zwei DAC-Gebiete hatte. Jetzt sind es sieben mehr, wobei das Traisental praktisch schon fertig war, als ich damals angetreten bin. Dann kamen das Kremstal, das Kamptal, das ganze Burgenland und Wien dazu.

Heute haben neun von 16 Weingebieten DAC-Status. Die Steiermark hat sich als einziges der vier großen Weinbundesländer noch auf keinen DAC-Status einigen können. Wie geht es dort weiter?
In der Steiermark ist wegen Lagerbildungen und Eigeninteressen viel gestritten worden. Aber jetzt herrscht in der Steiermark ein richtig gutes Klima. Der Schilcher galoppiert vor – Schilcherland DAC ist in Begutachtung. Die Weststeiermark als Weingebiet bleibt vorerst bestehen. Nach der Ernte werden wir die Steiermark neu aufstellen. Und 2018 soll es die neue Herkunft sordnung Steiermark geben. Daran arbeiten alle fieberhaft .

Wie könnte dieses neue Szenario aussehen?
Mit der neuen Dreier-Konstellation Gebietswein, Ortswein und Lagenwein löst sich alles in Wohlgefallen auf. Die Südsteiermark als Weingebiet wird DAC-Gebiet. Das ist der Gebietswein. Für Ortsweine wollen wir einen Katalog machen, weil es hat keinen Sinn, jede Mini-Ortschaft zu etikett ieren. Ortswein gäbe es zum Beispiel in Sausal, Kitzeck, Gamlitz oder Ehrenhausen. Die Umbenennung von Südoststeiermark in Vulkanland war auch erfolgreich. Jetzt identifizieren sich auch jene mit dem Begriff, die früher gerne bei der Südsteiermark mitgefahren wären. Welche Weine künft ig DAC sein können, möchte ich noch nicht sagen, das diskutieren wir erst.

Wie viele Weinsorten kommen für eine Südsteiermark DAC oder Vulkanland Steiermark DAC in Betracht?
Fünf bis sechs Rebsorten. Man kann ja nicht sagen, ein typischer Südsteirer kann nur Sauvignon Blanc sein. Was tue ich dann mit dem Morillon? Es war ein Missverständnis, dass man gesagt hat, ein Gebiet, eine Sorte. Der Gebietstyp muss erkennbar sein. Ein Südsteiermark-DAC-Wein wird durch Frische brillieren – egal welche Sorte. Der Ortswein drückt mehr Terrior aus. Der Gamlitzer ist komplett anders als der Kitzecker. Und in den Einzellagen ist es der große Wein.

Das Burgenland ist schon in DAC-Gebiete eingeteilt. Ein Erfolg?
Ja. Es gibt dort nur noch zwei weiße Flecken: Die Rosalia zwischen dem Leithaberg und dem Mittelburgenland. Oben dürfen sie nicht mitmachen, unten wollen sie nicht. Jetzt schaff en sie eine eigene DAC. Das ist beschlossen und es werden wahrscheinlich ein Rotwein und ein Rosé sein. Außerdem gibt es eine Absichtserklärung für eine Ruster-Ausbruch-DAC.

Bekommt das Burgenland damit zwei neue Weingebiete?
Ja, zwei neue DAC-Gebiete. Aber die Rust DAC wird nur für den Süßwein ‚Ruster Ausbruch‘ gelten. Beim trockenen Wein wird Rust im Leithaberg teilnehmen dürfen. Wer das nicht will, kann sie weiter unter Burgenland vermarkten.

Und wie sieht es mit neuen DAC-Gebieten in Niederösterreich aus?
Ich hätt e heuer gern den Wagram als neue DAC für Grüner Veltliner und Roter Veltliner präsentiert. Aber dieses Fenster wurde von den Wagram-Winzern nicht genutzt. Jetzt gibt es keine Eile. Nächstes Jahr können wir keine neue DAC mehr vertragen. In der Thermenregion und im Carnuntum ist man bei DAC noch weit hinten. Das ist dort auch kompliziert.

Und die Wachau?
Die Winzer diskutieren das gerade im Zuge der Riedenabgrenzung. Da geschehen ganz wunderbare Dinge. Es ist wichtig, dass jedes Gebiet DAC-mäßig erfasst ist. Wenn das fertig ist, hört sich die Diskussion darüber auf.

Stichwort Ried: Ab dem neuen Jahrgang muss jeder Lagenwein „Ried“ davor stehen haben. Worin liegt der Vorteil?
Ried ist das österreichische Wort für Lage und ist super zu bewerben. Denn wir haben einen Wildwuchs von Marken, Großlagen etc. Mit dem Wort Ried vor der Lage erkennt man ganz einfach die Einzellagenweine, die höchste Kategorie österreichischer Weine. Das bringt eine unglaubliche Klarheit.

Unangefochtener Exportschlager ist der Grüne Veltliner, der in Österreich rund 30 Prozent der Rebfläche ausmacht. Er wird in unseren Nachbarländern angebaut und auch Amerikaner, Australier und Neuseeländer experimentieren mit der Rebsorte. Grund zur Sorge?
Der Grüne Veltliner ist auch eine verdammt gute Sorte. Der Australier Richard Smart, ein wunderbarer Winzer und Weinberater, hat gesagt: Was könnte Österreich Besseres passieren, als wenn Grüner Veltliner von immer mehr Ländern angepflanzt wird? Dann könnten ihn breiteste Konsumentenschichten kennen und aussprechen lernen. Und sie würden wissen, dass Österreich die Heimat des Veltliners ist, so wie das Burgund beim Pinot Noir. Wir haben nichts zu befürchten.

Von: Hans Pleininger