Kohl Bergapfelsäfte

Höchster Apfelgenuss
"Lang hat keiner geglaubt, dass hier heroben auf über 900 Metern Äpfel wachsen", das amüsiert Thomas Kohl noch immer. Vor mehr als 20 Jahren hat er zusammen mit seinem Vater damit begonnen, Apfelbäume zu pflanzen. Und es hat funktioniert! Auf dieser Seehöhe spricht man offiziell von Bergäpfeln. Wein ist auf dieser Höhe nicht mehr zu finden, aber die Bergäpfel gedeihen prächtig. Sie mögen die intensivere Sonneneinstrahlung und den kühlen Wind, der am Abend von den Berggipfeln heruntersaust. Lange noch, bis ins späte Frühjahr hinein, schaut Thomas Kohl vom Hof auf schneebedeckte Berggipfel auf der anderen Talseite.

Seit der Hof komplett auf Obstbau umgestellt wurde und der junge Obstbauer übernommen hat, ist viel passiert. Früher wurden Golden Delicious gepflanzt, nach dem Geschmack der Italiener, die zum Nachtisch nicht irgendeinen Apfel essen möchten. Und dann ist der Eigensinn in Thomas Kohl erwacht. Warum das machen, was man immer schon gemacht hat? Warum nicht etwas Anderes, Besonderes, Eigenes? Da kam ihm die Idee, auszuprobieren, welche Sorten sich als Bergäpfel eignen, und schließlich begann er, sortenreine Säfte zu pressen. Liegt ja nahe, über den Gartenzaun hinauszuschauen - oder besser hinunter ins Tal. Dorthin, wo in Südtirol Wein wächst. Wer genau schaut - so wie Thomas Kohl es getan hat - , dem fällt auf: Vieles ist ähnlich bei Trauben und Äpfeln, bei Sorten und Lagen.

Klein sollen sie sein, die Bäumchen, die er pflanzt und übers Jahr hegt und pflegt. Gerade so groß, dass ein Erwachsener die obersten Äpfel erwischt, wenn sie richtig sind, um in die Presse zu wandern. Wie geht das? "Unsere Bäume wachsen nur ganz langsam", sagt er, "das ist praktisch". Und das muss es auch sein. Zwei bis drei Durchgänge beim Ernten braucht es, bis ein Baum zwischen August und Oktober, je nach Sorte, je nach Sonne, reif und abgeerntet ist. Alle einzeln und per Hand, bevor sie in den Korb wandern und dann weiter in den Stadel. Dort, wo früher das Vieh seinen Platz hatte, stehen heute die Anlagen, die Presse, die Tanks. Einen Stock tiefer wird abgefüllt.

Auf der Suche nach den geeigneten Sorten für den Anbau am Berg, nach den besten "Cuvées" (den Mischsäften) und nach erstklassiger Qualität, hat er viel herumprobiert. Und er probiert weiter. Ein wenig Vagabundenblut steckt noch immer in ihm. Gern ist er unterwegs und schaut sich um; holt sich Ideen und Inspirationen auf kleinen und großen Reisen, hält unbeirrt an seiner Idee fest und tüftelt an allen Details - so lange, bis er wirklich davon überzeugt ist. Ein untrüglicher Instinkt für Authentizität wohnt ihm inne. Nicht, weil er Bauer ist. Sondern weil er eben so ist, wie er ist.



 

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