Verein Gesamtkunstwerk Nitsch

Der Verein Gesamtkunstwerk Nitsch bezweckt die Vermittlung und Dokumentation des Gesamtkunstwerkes des Künstlers Hermann Nitsch.
Drei Jahre lang traf sich Projektleiterin Julia Kuon regelmäßig mit Hermann Nitsch, um sein Archiv zu durchforsten. Denn daraus sollte auf Initiative von Herausgeber Michael Karrer ein Nachschlagewerk zum Gesamtkunstwerk des Malers und Aktionskünstlers entstehen. Dass es nicht nur ein Buch über, sondern auch von Nitsch sein würde, stand für den extra dafür gegründeten Verein Gesamtkunstwerk Nitsch von Anfang an fest. Karrer wollte, gemeinsam mit Koherausgeber Clemens Kopetzky und Verleger Walther König, in einem Opus magnum Nitschs Schaffen in die einzelnen Disziplinen aufschlüsseln und hierbei die Gelegenheit haben, den Künstler selbst dazu zu befragen. Und so wurde daraus ein Stück Kunstgeschichte in elf Kapiteln. Unterteilt in jene Aspekte, die sein Werk ausmachen: Philosophie, Aktionen, Relikte, Malerei, Architektur, Musik, Inszenierung.

AKRIBIE DES KÜNSTLERS

Bis heute hat der entscheidende Mitbegründer des Wiener Aktionismus 144 Aktionen, 70 Malaktionen und mehr als 60 Konzerte aufgeführt. Sie wurden von Anfang an umfassend dokumentiert, weil Nitsch den Entstehungsprozess als integrativen Teil seiner Kunst sieht. Aus tausenden Fotos wählte Kuon gemeinsam mit dem Künstler 1500 Stück aus, die Eingang in das 968 Seiten umfassende Buch fanden. Zahlreiche Ordner und Fotoalben umfasst allein Nitschs größtes Werk, das Sechs-Tage-Spiel in Prinzendorf im Jahr 1998. „Nitsch wünschte sich, einen Ordner nach dem anderen durchzugehen, zu bearbeiten und auszuwählen“, erzählt Kuon, „er lässt nicht kuratieren, er kuratiert sich selbst.“ Als gelernter Grafiker hat er sich auch beim Layout und im Lithografiestudio eingebracht. Die Herausforderung für den Kommunikationsgestalter Andreas Soller bestand darin, „eine Systematik zu entwickeln, die bei knapp 1000 Seiten eine Kohärenz schafft und gleichzeitig nicht langweilig wird, weil keine Seite der anderen gleicht.“ Im Kapitel über Schüttbilder war im Layout ein Bild falsch eingebaut, es passte nicht in die Chronologie und hätte nach vorn verschoben werden müssen. Doch Nitsch gefiel die Seite, wie sie war, und so blieb sie dann auch. „Die Form geht über die Wahrheit“,
meinte er. Das Dokumentarische mag wahr sein, aber das Künstlerische ist wahrhaftig. Und in Nitschs Leben steht die Kunst eben über allem. Für ihn gibt es keinen Urlaub, keine Einteilung in Arbeit und Freizeit, bei ihm gehen Arbeit und Kunst ins Leben über und manchmal ist die Kunst eben realer als das Leben. „Er lebt ganz intensiv“, erzählt Kuon, „nach der Arbeit gehörte es dazu, noch gemeinsam essen zu gehen, er will mit allen Sinnen erfahren, erleben, zu sich selbst und zum Leben kommen. Ich habe ihn als humorvollen, lebensbejahenden und belesenen Menschen kennengelernt.“ Weil Nitsch aufgrund eines fehlenden Aufzugs nicht zu Manfred Kostal, Pixelstorm Litho & Digital Imaging, ins Büro kommen konnte, installierte Kostal einfach sein Büro im Café an der Ecke, samt Bildschirmen und Computern. Er sorgte für die möglichst genaue Farbechtheit und Kohärenz, „um den tollen Farbenrausch der einzelnen Kapitel auf eine Linie zu bringen.“ Siebdrucker Florian Simsa bedruckte für den Buchüberzug ein raues, archaisch anmutendes Leinen mit einem speziellen Farbauftrag. Gebunden wurde das Buch in Deutschland, da „in Österreich niemand so ein dickes Buch binden kann“, so Hannes Fauland von der Druckerei Holzhausen. Der auf 30 Stück limitierten Vorzugsausgabewollte Nitsch etwas Besonderes beilegen. Statt eines Drucks oder einer Grafik entschied er sich für kleine Schüttbilder, die 2014 entstanden waren. Sie liegen nun verpackt in einer Leinenkassette dem signierten Buch bei. Die Rinnbilder sind rückseitig signiert und datiert. Jedes einzelne steht als Werk für sich, sowohl hoch- als auch querformatig in der Betrachtung. Ein typischer Nitsch hat keine Richtung und das Endprodukt ist nur ein Teil des ganzen Prozesses.
An Nitschs 77. Geburtstag, am 29. August 2015, wurde das umfassende Buch erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Nitsch: „Mir hat es große Freude bereitet, zusammen mit dem gesamten Team meine Geschichte zu rekapitulieren. Für mich war es eine  Art der Selbstdarlegung. Was meine Arbeit betrifft, bin ich mir gerade durch das Buch dessen immer bewusster geworden, was ich geleistet habe und auch noch vorhabe. Ich glaube, das Buch hat mein Bewusstsein und meine schöpferische Kraft gefestigt und geordnet.“

 

Ihr Ansprechpartner

Verein Gesamtkunstwerk Nitsch
Fürstenweg 35
5020 Salzburg

nitsch museum | Museumszentrum Mistelbach
Waldstraße 44-46
2130 Mistelbach

 

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