Wachau-Winzer

Weinbau in einer der schönsten Flusslandschaften Europas, an steilen Hängen, gesäumt von mehreren Tausend Quadratmetern Mauern aus Stein. Unverwechselbar und unverfälscht.
"Wachauer Weine sind so gut wie die weltbesten Rotweine, sie haben bloß eine andere Farbe.“ Der internationale Weinexperte René Gabriel bringt es auf den Punkt. Alles im Fluss für die Winzer, ausruhen kommt aber nicht infrage. Das ist schon aufgrund der Geografie der Weltkulturerbe-Landschaft nicht möglich. Groß ist der Aufwand, bis der goldene Stoff in der Flasche ist.

Der Großteil der Rebflächen in der Wachau sind Steillagen, die man nur mit Terrassen in den Griff bekommt. So können die Rieden leichter bearbeitet werden - und es wird verhindert, dass der dünne Boden ins Tal geschwemmt wird. Die Kirche war früher marktbeherrschend und legte beständig Terrassen an, vor 300 Jahren hatte die Wachau deshalb dreimal so viel Rebfläche wie heute. Aber selbst Mönche sind dem Zeitgeist unterworfen, und sie stiegen aufs Bierbrauen um. Wo früher Wein wuchs, steht heute oft wieder mehrhundertjähriger Wald.

Arbeit auf der "Terrasse"
In den 1980er-Jahren begannen einige Winzer das Generationenprojekt Zurückgewinnung der Terrassen. Leo Alzinger jun. schätzt, dass "wir in den vergengenen zehn Jahren 1000 m² Mauern gebaut und restauriert haben“. Franz Hirtzberger etwa baute die legendäre Lage Singerriedel wieder auf und ist bis heute nicht fertig. Bei der Arbeit packen die Winzer meist selbst an, die Steine für die Mauern werden bei den Hirtzbergers gleich vom eigenen Gelände mit Bagger und Dynamit aus dem Felsen gebrochen.

Stehen die Terrassen wieder, fängt die Arbeit erst richtig an. Die Erhaltung ist Schwerstarbeit, die tägliche Routine in den Terrassen sowieso. "Im Vergleich zu traktorfähigen Lagen erhöhen sich die Arbeitsstunden um das Dreifache, praktisch alles muss mit der Hand bearbeitet werden“, erklärt Winzer Emmerich Knoll jun. Maximal eine motorbetriebene Hacke oder maschinelle Hilfe für den Pflanzenschutz ist möglich. Da ist Fitness gefragt, ein Spritzgerät am Rücken wiegt rund 20 Kilo. "Nicht umsonst ist von unseren Weingartenarbeitern keiner übergewichtig“, sagt Franz Hirtzberger jun.

"Ein Wachauer denkt nicht über Anstrengung nach“, erklärt Anton Bodenstein vom Weingut Prager, "nur das Ergebnis zählt.“ Eine wissenschaftliche Bodenanalyse aus dem Jahr 2012 rechtfertigt den Aufwand. Die Studie zeigte, dass die Terrassenböden für den Weinbau hervorragende Qualität haben. Ein positiver Faktor sind auch die Trockensteinmauern, quasi das Rückgrat der Terrassen. Sie erzeugen ein Kleinklima - außen heiß, innen kühl - Flora und Fauna mit Insekten und Kleinreptilien haben ihren Lebensraum, und das Regenwasser kann gut abfließen.

Vielfalt der Böden
Eine Wissenschaft für sich sind die unterschiedlichen Böden, die das kleine Weinbaugebiet in einen bunten Teppich verwandeln. An den Hängen und am Hangfuß sind es meist verschiedene Gneisverwitterungsböden und teilweise Meeressedimente, die noch an das Urmeer Tethys erinnern. An den Osthängen finden sich auch immer wieder Löss- und in Donaunähe Schwemmböden, die den Weinen ihren Charakter verleihen.

Dazu kommen die Kleinklimate. Aus den Seitentälern strömen über Nacht vom nördlichen Waldviertel und vom südlichen Dunkelsteinerwald kühle und feuchte Luftmassen in die Weinberge. Wärmere Luft im Osten, kühleres Klima im Spitzer Graben und die Donau mischen ebenfalls mit. Kein Wunder also, dass die Weinlese in Loiben bis zu 14 Tage früher dran ist als im 15 Kilometer entfernten Spitz. All diese Faktoren ergeben eine erstaunliche Vielfalt. Grundsätzlich liefert der westliche Teil von Spitz und dem Spitzer Graben eher kühlere, nervigere Weine, das Gebiet um Loiben und Dürnstein dagegen ist gut für Druck und Exotik geeignet.

Minutiöse Selektion
Innerhalb dieser Kleinräume prägen außerdem die einzelnen Lagen die Weine. Insgesamt 124 findet man in der Wachau, einige Namen sind bereits über 1000 Jahre in Verwendung. Eine der ältesten, der Loibenberg, wurde bereits 1157 erwähnt - eine warme Lage mit Südsonne und tendenziell barockeren Weinen. Fast in unmittelbarer Nachbarschaft ist die Lage Kellerberg, etwas kühler als der Loibenberg und daher Boden für etwas würzigere Veltliner und besonders fruchtbetonte Rieslinge. "Ein schönes Beispiel dafür, wie unterschiedlich Weine schmecken können, die nur wenige Meter voneinander entfernt wachsen“, sagt Erich Krutzler vom Weingut Pichler-Krutzler. Zur Vielfalt tragen auch minutiöse Selektionen bei. Am Weingut F. X. Pichler wird seit 1928 Buch geführt, welche Grünen-Veltliner-Stöcke die besten Ergebnisse liefern, nur diese werden für Neupflanzungen verwendet. Vielfalt zeigt sich aber nicht nur in Böden, Lagen, Klima und Selektionen. Auch ein Individualist wie das Demeter-Weingut Nikolaihof trägt zu neuen Tönen im Wachauer Konzert bei. "Mein Vater konnte sich die Spritzmittel nicht leisten“, erzählt Nikolaus Saahs jun., "und weil er sah, dass die Weine auch ohne gut werden, blieb er auf der Bioschiene.“ Zu Recht, Robert Parkers Wine Advocate bewertete den Riesling Vinothek 1995 mit 100 Punkten, Österreichs bisher einziger Wein mit der Höchstwertung.

Terroir der Zukunft
Wohin die Wachau steuert? Martin Mittelbach prägte seinen persönlichen, modernen Stil: "Sehr trinkfreudig, trocken, strahlkräftig und weitgehend ohne die Edelfäule Botrytis.“ Andere wieder führen das Erbe mit behutsamen Schritten weiter. Herwig Jamek etwa, der als Neueinsteiger im Weingut Jamek die Verantwortung übernahm. "Es gibt für mich noch eine Menge zu lernen, aber ich habe die besten Lehrmeister im Haus.“

Für Heinz Frischengruber, Kellermeister der Domäne Wachau, ist das größte Zukunftspotenzial die Betonung der Lagen. "Vor Kurzem habe ich einen gereiften Wein aus der Riede Achleiten gekostet. Das Fantastische dabei: Das Terroir stand im Geschmack vor der Sorte. Da haben wir alles richtig gemacht.“ Und Johann Donabaum meint: "Auszeichnung zum besten Riesling 2009 vom Decanter, drei mal 94 Punkte für uns vom Wine Spectator - warum sollte ich umstellen?“


Die Wachauer-Winzer:

Weingut Josef Jamek
Weingut Franz Hirtzberger
Weingut Johann Donabaum
Nikolaihof Wachau
Weingut FX Pichler
Weingut Pichler-Krutzler
Weingut Knoll
Domäne Wachau
Weingut Leo Alzinger
Tegernseerhof
Weingut Prager


 

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